Fußballmisanthropie

Ausgelöst wurde dieser Text durch den tollen Artikel von Das Nuf, die darüber sinniert, warum sie Fußball hasst und einer Diskussion auf Facebook, die den Titel zu diesem Text brachte.

In einem Punkt stimme ich dem Nuf zu: Ich finde Fußball sehr langweilig, wie ich eigentlich jedem beim Sport zuzuschauen langweilig finde. Bei Fußball finde ich aber auch schon das Spiel an sich sehr langweilig. Aber reicht das zum Hass? Schliesslich finde ich sehr viel Dinge ziemlich langweilig, aber deswegen hasse ich sie nicht. Gut man wird selten mit euphorischen Fans in eine Unterhaltung über trocknende Wandfarbe gezwungen, im Gegensatz zu Fußballfans, aber das alleine kann nicht der Grund sein. Die anderen Gründe, die Nuf persönlich für sich erkannt hat, sind für mich schon total egal. Sollen sie doch machen was sie wollen, singen, hüpfen, tanzen… aber bitte mich außen vor lassen.

Trotzdem spüre ich diese innere Unruhe über etwas, was mir eigentlich völlig egal sein sollte und eine gewisse Liebe, mich darüber lustig zu machen. Nur warum?

Meine These geht (für meine persönliche Lebensgeschichte) weiter, es ist ein vor langer Zeit geschaffenes Feindbild. Wer als Kind/Jugendlicher Nerd war, hatte genau dieses Feindbild: Fußball und die Menschen, die damit zu tun haben.
Ich rede jetzt von “echten” Nerds, die in der Schule deswegen gemobbt wurden und nicht die Hipp-Nerds, die trotzdem zu jeder Party eingeladen wurden.
Wer in der Schule lieber Comics las oder Schaltkreise lötete war direkt ein Außenseiter und wurde gerne auch mal härter angegangen. Die “Täter”: Zu 95% die gleichen Leute, die man auch beim Kicken auf dem Schulhof sehen konnte oder mit Fanschal in der Schulbank saßen. Beim Schulsport kassierte man dann auch gerne mal ein böses Foul und die “Fans” konnte sich glänzend über den schmerzerfüllten Depp am Boden lustig machen. Fand man Fußball dann auch noch langweilig, war man gleich doppelt interessant für diese Spiele. Dagegen zu argumentieren war unmöglich, da die Diskussion relativ schnell ins “Auf’s Maul” endete.
Man lernte also schnell: Alles was mit Fußball zu tun hat, bringt Nachteile für mich – also vermeide ich das und habe keine hohe Meinung darüber.

Irgendwann wurde man dann erwachsen (oder zumindest älter), nur der Reflex blieb. Dafür wurde die Situation aber ausgeglichener. Der Nerd von damals kann immer noch mit Worten umgehen, muss sich aber nicht mehr davor fürchten in der nächsten Schulpause Bekanntschaft mit dem Mülleimer zu machen.
Es ist im Prinzip eine sehr späte “Rache” für die Vergangenheit.

Kindisch? Sicherlich.

Ich ärgere mich auch ein wenig darüber, dass das Thema nicht komplett egal ist – wie eben die trocknende Wandfarbe. Vielleicht komme ich aber noch dahin. Bis dahin kann ich nur den gleichen Rat geben mit dem Spott umzugehen, den ich immer bekomme, weil mich die Fußballmeldungen nerven: Es ist nur alle x-Jahre, das geht auch wieder rum.

5 Comments

  1. Geht mir ähnlich, aber “milder”, was daran liegen mag, dass ich erst so mit 13, 14 den Nerd in mir kennenlernte. Da war ich dann in der “Filterung” schon auf LVL4 und wusste den Nerdism besser zu verpacken. Irgendwie so ;)

  2. Interessanter Gedankengang – Der Ausgangspunkt ist bei mir ähnlich. Ich mag Fußball und die meisten anderen populären Sportarten nicht besonders. Sie sind mir egal und ich finde sie größtenteils langweilig.
    Das mich gerade die Fußballeuphorie so ärgert, liegt aber nicht – Zumindest glaube ich das nicht – an einem jugendlichen Trauma. Ich war zwar auch nie einer von den Sportassen und Partyanimals, aber meine Nerdigkeiten lagen in einem Bereich, der auf dem Schulhof “nützlich” war. Wenn man einigermaßen groß und kräftig ist und sich dazu noch für exotische Kampf(sport)arten und Klingenwaffen interessiert, wird man selten in einen Mülleimer gestopft.
    Mich stört und das mit zunehmendem Alter immer mehr die Übergriffigkeit des Fandomes.
    Ich hasse es, daß ein erheblicher Teil dieser Leute glaubt das Recht zu haben, mich zwangsweise an ihrer Freude teilnehmen zu lassen.
    Ich verstehe einfach nicht, warum man nicht feiern kann, ohne die Umgebung zu terrorisieren. Und ich verstehe nicht, warum ich das ausgerechnet bei Fußball hinzunehmen habe.
    Von der konkreten Belästigung einmal abgesehen, stört mich auch die Unausweichlichkeit solcher Events. Wie Weihnachten oder Karneval gibt es auch vor Sportgroßereignissen keine Flucht. Sie schreien einen von überall her an.
    Das nervt mich zusehends.
    Ich hoffe mal, daß mir jetzt nach dem Ende WM bis zum Beginn der Weihnachtshysterie weitere völkerverbindende Kulturereignisse erspart bleiben.

  3. Meine Abneigung und Antipathie gegenüber Fußball hat sich über die Jahrzehnte tief eingegraben. Ich kann diesem Sport – wie praktisch auch jedem anderem – einfach keinen Unterhaltungswert abgewinnen. Es sieht albern aus, ist völlig unspektakulär und es ist mir ein absolutes Rätsel, was insbesondere Männer gerade daran finden. Wieso sollte man sich Kerle in kurzen Hosen ansehen? Beachvolleyball der Damen, jederzeit gern. Obwohl ich erst vor kurzer Zeit erfahren habe, dass es sich dabei überhaupt um eine Sportart handelt.
    Meine Ablehnung von Fußball und Sport im Allgemeinen hat sicher sehr mit meiner frühen Erkenntnis zu tun, in sportlichen Dingen völlig talentlos zu sein. Mutter Natur hat mich mit der Beweglichkeit und Agilität eines Sack Zements im Regen ausgestattet, und meine Reflexe entsprechen denen eines abgelegten Telefonbuchs. Okay, letzteres macht sich an der Spielkonsole glücklicherweise nicht ganz so stark bemerkbar.
    In einem Alter, in dem man noch sportlich sein möchte, sagen wir mal so mit acht, war das eine ziemlich Enttäuschung und hat dann doch ziemlichen Frust ausgelöst. Meine Weitsprünge bei Sportfesten waren lange Schritte, mein Leistungsniveau beim 100 Meter Lauf hätten Urgroßväter halten können und werfen konnte ich – trotz des entsprechenden Gewichtes – auch nicht. Kurz zusammengefasst: Jeder beherrscht jede Sportart besser als ich.
    Da ich es andererseits ablehne, mich nur fünf Minuten mit Dingen zu beschäftigen, die mir offensichtlich nicht liegen, war mein Verhältnis zum Sportunterricht erwartungsgemäß sympathiefrei. Noch dazu, wenn man als personifizierte Arschkarte bei Mannschaftssportarten den Groll der ganzen Klasse auf sich zog. Legendär mein erster Punkt beim Basketball – in den Korb der eigenen Mannschaft. So findet man schnell viele Freunde, die einem jederzeit zur Hand gehen würden, falls man sich mal selbst auf Bahngleise fesseln möchte.
    Später hat man das dann anders gehalten, beim Sportfest von dem Typen mit dem Klemmbrett einfach sofort drei Fehlversuche notieren lassen, ist statt mit dem Sportlehrer zum Platz zu joggen an ihm vorbei schon mal winkend vorgefahren. Und man hat den Mann immer mal wieder gefragt, ob irgendein internationaler Konflikt zu erwarten wäre, oder warum man nachmittags eine paramilitärische Ausbildung absolvieren muss.
    Ganz nebenbei fand man dann schnell heraus, dass Jungs, die gut Fußball spielen aus unerfindlichen Gründen wesentlich besser bei Mädels ankommen, als solche, die ihre Nase in Bücher stecken und Computerprogramme schreiben. Aber glücklicherweise gab es da ja auch nerdige Damen, die den Wert eines guten Buches durchaus zu schätzen wussten und gern darüber mit dir plauderten. Liiert waren sie allerdings mit einem Leichtathleten, einem Tennisspieler oder eben einem Fußballer. Das kann einem die Pubertät schon versalzen.
    Ganz sicher ist auch das ein wichtiger Grund dafür, dass Fußball bei mir bis heute unten durch ist. Aber von diesen ganz persönlichen Vorbehalten mal ganz abgesehen:
    Der Mist ist doch langweiliger als eine zweistündige persönlich von Tante Hildegard am Rollator moderierte Führung durch ihr Trockenblumen- und Osterhäschenmuseum.

  4. Calla

    Als Frau hat man’s da ja etwas leichter. Wenn das Fußballgeschwafel so gar kein Ende mehr findet, fragt man einfach was ein 11Meter ist. Dann wird’s meist kurzfristig noch etwas extremer mit dem Ballgeseiere, aber aller spätestens nach dem dritten “Nö. Hab’s immer noch nicht kapiert.”, geben alle auf und reden über was anderes.
    Für den absoluten Notfall, habe ich mir die Frage “Mit wem würdet ihr nach der Zombieapokalypse auf einer einsamen Insel lieber um zwei Kästen Bier Strippoker spielen: Megan Fox oder Jessica Alba?” ausgedacht.

Hinterlasse eine Antwort

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *